Leuchttürme der Integration17.11.2016


Ehrenamtliche in Groß-Gerau mit 


Deutschem Bürgerpreis 

ausgezeichnet

17.11.2016"Integration gemeinsam leben": Der Deutsche Bürgerpreis belobigt Ehrenamtliche. Thema Nummer eins war im Jahr 2016 die Flüchtlingssituation: Kann Integration gelingen? Keine Frage - ohne Ehrenamtliche wäre dies nicht möglich.Alltagsheldin Hawo Abdulle, die sich für die Integration von Frauen und Kindern einsetzt.Foto: Charlotte MartinAlltagsheldin Hawo Abdulle, die sich für die Integration von Frauen und Kindern einsetztKreis Groß-Gerau. 

Großes Kino fürs Ehrenamt: Im Öffentlichkeitsraum der Kreissparkasse Groß-Gerau wurden jetzt 24 Initiativen und Vereine der integrativen Arbeit sowie zwölf Personen als „Alltagshelden“ sowie teilweise gar für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Herausragend zu nennen ist eine „Alltagsheldin“ aus Worfelden, die Somalierin Hawo Abdulle, die nicht nur durch das Internationale Frauencafé Groß-Gerau sowie als Vorstandsfrau des somalischen Komitees Darmstadt bekannt ist, sondern sich in ihrem Wohnort seit Jahrzehnten mit Herz für Integration stark macht. Vor allem Frauen und Kindern, denen sie mit Hausaufgabenhilfe, Kunstprojekten, Ferienbetreuung und vielem mehr die Integration erleichtern will, gilt ihr Engagement.

Die Auszeichnung für sein Lebenswerk nahm neben anderen der unvergleichliche Delio Miorandi entgegen, der zur ersten Generation italienischer Gastarbeiter gehört und als Sozialarbeiter in der Opelstadt das Miteinander vorantrieb wie kein anderer. Heute gibt er als Zeitzeuge landauf und landab in Schulen Lesungen und tritt in Dialog mit der Jugend.

Den markanten „Dali-Bart“ hübsch in Form gezwirbelt, freute er sich sichtlich darüber, zu den drei bundesweit hervorragenden Vertretern des Deutschen Bürgerpreises zu gehören, die zur Ehrung in Berlin (13. Dezember) eingeladen sind. Respekt gebührt diesem Autor, der im wahrsten Sinne „Schule macht“.

Student für integratives Engagement geehrt

Im Reigen der Engagierten wurde während der zweistündigen Feier gar ein Aktiver der Altersgruppe U 20 ausgezeichnet: Der Student der Rechtswissenschaften Florian Blumenstein erhielt den Bürgerpreis für sein integratives Engagement als Fußballer beim Verein für Rasensport (VfR).

Dort hat er eine Hobby-Mannschaft für Menschen aller Kulturen initiiert. Syrer, Afghanen, Pakistani und andere knüpfen bei Spiel Sport Freundschaft, werden, wenn nötig, mit Fußballschuhen ausgestattet. Als Alltagshelden wurden zudem Feuerwehrleute sowie Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) geehrt: Stefan Hofmann aus Nauheim gehört beiden Institutionen an, Florian Schmid und Ulrich Kappel sind seit Jahrzehnten bei der Wehr Groß-Gerau. Für ihr Lebenswerk, ihren unermüdlichen Einsatz beim DRK, wurde Claudia Hofmann-Sterler ausgezeichnet.

Beifall erhielt auch Gerhard Schäfer, dessen Ehrung für sein Lebenswerk als Gründer der Diabetiker-Selbsthilfegruppe und als Vorsitzender des Deutschen Diabetikerbundes, sich auf die Integration gesundheitlich Beeinträchtigter bezieht. Und wenn Kreissparkassen-Urgestein Hans-Joachim Wieschollek, der seit Start der lokalen Bürgerpreisverleihung 2003 zur Jury gehört, anmerkte: „Ein Ehrenamt betreibt man nicht. Ein Ehrenamt lebt man“, so unterstrich er damit, dass die Ehrenamtlichen wahre „Leuchttürme“ sind: „Ihr Licht überstrahlt den grauen Alltag derer, denen sie helfen und gleichzeitig tun sie Gutes für die Gesamtgesellschaft.“

Heiko Dennert, Vorstandsmitglied der Sparkasse („5000 Euro Preisgeld werden für den größten Ehrenamtspreis Deutschlands von uns ausgeschüttet“) hatte ebenso zur Veranstaltung begrüßt wie Gerold Reichenbach (SPD), Bundestagsabgeordneter des Kreises und Initiator des lokalen Bürgerpreises. Aus Biebesheim, Stockstadt, Trebur und Nauheim, aus Raunheim und Ginsheim-Gustavsburg, aus Groß-Gerau, Büttelborn und Mörfelden-Walldorf gehörten zudem Initiativen der Integration zu den Geehrten.

„Vom Flüchtling zum Mitbürger“ lautet beispielsweise das Motto des Vereins „Biebesheim hilft“, wobei Marius Meyer (22), der hier als Flüchtlingspate beiträgt „Normalität ins Leben zu bringen“, einer der jüngsten Alltagshelden war, die belobigt wurden.

Groß-Gerau18.10.2016

Der leise Glanz der Hoffnung

Zum Brunch hat das Internationale Frauencafé im Anne-Frank-Zentrum im Rahmen der Interkulturellen Wochen eingeladen. Das Foto zeigt (von links) Nahne Bafaa, Gökcen Zümrüt mit Kind Sumeya, Khayrie Zarari und Hawo Abdulle. Foto: Vollformat /Alexander Heimann

Von Charlotte Martin

FLÜCHTLINGE Hawo Abdulle sorgt im Internationalen Frauencafé für eine besonders herzliche Atmosphäre

GROSS-GERAU - Reich ist der Tisch gedeckt: Landestypische Speisen aus Eritrea und Somalia, aus Afghanistan, aus Pakistan und aus Deutschland standen im Gemeinschaftsraum der Flüchtlingsunterkunft hinterm Hallenbad bereit. „Nehmt euch, greift zu, lasst es euch schmecken“, ermunterte Hawo Abdulle die rund 40 Frauen, die sich versammelt hatten.

Hawo Abdulle (46), die seit Jahren monatlich das Internationale Frauencafé im Anne-Frank-Zentrum ausrichtet, hatte im Rahmen der Interkulturellen Wochen zum Brunch eingeladen. In dem schlichten Raum der Flüchtlingsunterkunft sorgte Hawo Abdulle mit ihrem Team von Frauen verschiedenster Herkunft für eine außergewöhnlich herzliche Atmosphäre. Jede Frau, die, scheu um sich blickend, den Raum betrat, wurde von ihr persönlich begrüßt, keine blieb abseits, keine saß allein. Teils hatten die Frauen ihre Kinder mitgebracht, die munter zwischen den Tischen, im langen Korridor sowie vorm Haus herumtollten. Lebendig ging es zu, die Seele der Zusammenkunft aber war Hawo Abdulle, die unterm türkisblauen Kopf- und Schultertuch aufmerksam rundum sah, dafür sorgte, dass sich die Besucherinnen wohlfühlten.

Integration zu schaffen, ist das große Anliegen

Sie ist eine wahrlich beeindruckende Frau, die trotz des eigenen schweren Lebenswegs niemals ihre Mitmenschen, egal welcher Herkunft, aus dem Blick verliert. Wo sie helfen kann, hilft sie. Auszeichnungen bedeuten ihr dabei wenig, wirkliche Integration zu schaffen, ist ihr großes Anliegen. Auch als Vorsitzende des somalischen Komitees Darmstadt engagiert sie sich unermüdlich für Frauen, die aus Krisen- und Kriegsgebieten nach Deutschland kommen.

Insgesamt 96 Menschen, davon 35 Kinder, leben derzeit in der Flüchtlingsunterkunft hinterm Hallenbad, gab Andreja Kancar vom Sozial- und Integrationsbüro Auskunft. Sie gehörte neben Frauen, die ehrenamtlich im Netzwerk der Flüchtlingshilfe aktiv sind, zu den wenigen Deutschen, die am Brunch teilnahmen. Die Politik war durch Eva-Maria Finck-Hanebuth (FDP) und Eva Krings (CDU) vertreten. Die Kommunalpolitikerinnen suchten das Gespräch mit den mehrheitlich durch farbenfrohe Kopftücher geschmückten Frauen, lobten Salate, Falafel und Fladenbrot vom Buffet. Hawo Abdulle dankte für ihr Kommen und merkte doch energisch an: „Wir haben 2000 Flyer mit Einladung zum Frauenbrunch verschickt und verteilt. Wo sind die Frauen des Frauenbüros? Wo ist die Kirche? Wo die Sozialdemokraten? Integration funktioniert nicht nur zu Öffnungszeiten der Büros von Montag bis Freitag. Integration braucht alle Tage Engagement.“ Sie blickte sich im Raum um und setzte hinzu: „So wird Integration nichts. Wir leben nebeneinander her.“

Die Stärke, die Hawo Abdulle ausstrahlt und einsetzt, um anderen zu helfen, liegt in ihrer Furchtlosigkeit: Überzeugt davon, dass es die Aufgabe eines jeden ist, beizutragen, Frieden zu schaffen, indem er respektvoll und vorurteilslos auf andere zugeht, lässt sich Hawo Abdulle in einem Land, in dem 70 Prozent der Wahlberechtigten finden, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört und in dem die AfD bundesweit bei 13 Prozent liegt, den Mund nicht verbieten.

Dennoch: Herzlich ist ihr Lachen, ungebrochen ihr Mut. Umgeben von ihren Freundinnen Azeb aus Äthiopien, Uhairia aus dem Sudan, Maha und Nahle aus dem Libanon, Khadiija aus Somalia und vielen anderen ging sie auf ihre Besucherinnen zu. Und sie entfachte in den traurigen, sorgenvollen Blicken vieler Frauen, die allenthalben zu beobachten waren, einen leisen Glanz der Hoffnung.



Deutschen  Bürgerpreis

Mittwoch, 25.11.2015

Sozialdezernentin Barbara Akdeniz: „Verdiente Auszeichnung für nachhaltiges soziales Engagement – Freiwilliges Engagement ist ein Geschenk für die Stadtgesellschaft“


 
Die Sozialdezernentin der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Barbara Akdeniz, hat am heutigen Donnerstag (26.) in der Orangerie den mit 2500 Euro dotierten Bürgerpreis an sechs Gruppen und Personen übergeben. Ausgezeichnet wurden das Projekt von Initiatorin Bettina Benz –„Obdachlosen helfen“ (500 Euro), der Verein „Hiergeblieben e. V.“ (500 Euro), Die Lesegruppe „Die Lesekids“, aus dem Gemeinschaftshaus im Pallaswiesenviertel (500 Euro), die Seniorentreffs am Woog, in Eberstadt und in Kranichstein (500 Euro), Johannes Borgetto, Bereich „Flucht und Asyl“ (250 Euro) und Hawo Abdulle, Gründerin des Frauenvereins „Somalisches Komitee – Informationen und Beratung in Darmstadt und Umgebung e.V.“ (250 Euro). 

.Hawo Abdulle, Gründerin des Frauenvereins „Somalisches Komitee – Informationen und Beratung in Darmstadt und Umgebung e.V.“ (SKIB) 
Der Bürgerkrieg zwang die 1968 in Somalia geborene Hawo Abdulle und ihre Familie zunächst dazu, nach Kenia und anschließend nach Deutschland zu flüchten. Ihr Studium der Wirtschaftswissenschaften musste sie auf Grund ihrer Flucht aufgeben. Kaum in Deutschland angekommen, begann sie, Menschen, die in ähnlichen Situationen lebten und leben, zu helfen. Daher gründete sie 2005 den in Darmstadt ansässigen Frauenverein „Somalisches Komitee – Informationen und Beratung in Darmstadt und Umgebung e.V.“ (SKIB). 
Vor allem Frauen und Kinder profitieren vom tatkräftigen ehrenamtlichen Engagement Abdulles. Darüber hinaus initiert Hawo Abdulle unterschiedliche Projekte, um der Not leidenden Bevölkerung in Somalia zu helfen. Gefördert durch das städtische Amt für Interkulturelles und Internationales, für das Frau Abdulle eine wichtige Ansprechpartnerin ist, konnte der Verein sehr vielfältige Angebote durchführen, z.B. Sprachkurse, Nähkurse, Hausaufgabenhilfe, Frauen-PC-Kurse und Bewerbungstrainin.

g.

Integrationspreis für Hawo Mohammed Abdulle

Zum ersten Mal vergeben der Ausländerbeirat und die Stadt Groß-Gerau am kommenden Donnerstag, 7. März 2013, einen „Integrationspreis“. Preisträgerin ist Hawo Mohammed Abdulle, die aus Somalia stammt, seit vielen Jahren mit der Familie in Deutschland lebt und sich in Groß-Gerau auf vielfältige Weise für ein besseres Miteinander von Menschen aller Nationalitäten einsetzt. 
So engagiert sich Hawo Mohammed Abdulle, selbst Mutter, ehrenamtlich im Projekt „Fit für die Schule“, das Erwachsenen wie Kindern aus Migrantenfamilien qualifizierte Unterstützung bietet. Die Eltern profitieren von Tipps zu Erziehung und Regeln in Kindertagesstätten und Schulen, werden er-muntert, das Gespräch mit Pädagogen zu suchen und den Bildungsweg ihrer Kinder aktiv zu beglei-ten. 
Überdies ist Hawo Mohammed Abdulle Vorsitzende des Vereins „Internationalen Frauencafés Groß- Gerau und Umgebung“, arbeitet eng mit dem kommunalen Sozial- und Integrationsbüro zusammen, wirkt bei der muttersprachlichen Leseaktion der Stadtbücherei mit und unterstützt aktiv die „In-terkulturellen Wochen“ in der Kreisstadt. Kurzum: Hawo Mohammed Abdulle ist ein Vorbild, sowohl für Frauen mit als auch für Frauen ohne Migrationshintergrund. 
Mit dem Integrationspreis, der am Donnerstag, 7. März, im Verlauf der öffentlichen Sitzung des Aus-länderbeirates verliehen wird, würdigt die Stadt das außerordentliche ehrenamtliche Engagement von Hawo Mohammed Abdulle. Mit der Auszeichnung verbunden ist ein Preisgeld von 300 Euro. Die Sitzung beginnt um 18.30 Uhr im großen Saal des historischen Rathauses. 
Der städtische Ausländerbeirat plant, den Integrationspreis im Jahresturnus zu vergeben. Anerkennung sollen Privatleute, Vereine, Verbände oder Institutionen erfahren, die sich innerhalb Groß-Geraus für das Zusammenleben und Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft einsetzen.